1. Intelligenz ist der Leistungsgrad beim Bewältigen neuer Situationen. Meist beschreibt man sie in den Faktoren sprachliches und rechnerisches Denkvermögen, abstrakt-logisches Denken, räumliches Vorstellungsvermögen und Gedächtnis. Die vorhandenen – ‘ererbten’ – Gehirnstrukturen sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Die schließliche Intelligenz ist das Ergebnis der Sachverhalte, die der jeweilige Mensch im Laufe seiner Kindheit und Jugend gelernt hat, vor allem von seinen Eltern, im Kindergarten und in der Schule. Fehlen diese Angebote komplett, entwickelt sich das Gehirn sogar zurück und der junge Mensch würde sogar sterben. Man weiß das seit ca. 1000 Jahren, als Friedrich II Säuglinge zwar körperlich versorgen ließ, ihnen aber ansonsten jeden Kontakt mit Menschen (oder Tieren) verwehrte. Er wollte so herausfinden, wie denn wohl die menschliche ‘Ursprache’ aussehe. Es kommt also bei der Intelligenzentwicklung auf die Angebote an, die jeder zur Entwicklung benötigt.
2. Und zwar nicht nur zur Entwicklung seiner Intelligenz als wichtiges Steuerinstrument für tatsächliches Verhalten, sondern auch zur Entwicklung anderer Fähigkeiten, wie Sozialität, Einfühlungsvermögen, Liebesfähigkeit, handwerkliches, künstlerisches Können – die Liste läßt sich beliebig fortsetzen und macht die Vielfalt menschlicher Verhaltensweisen aus.
3. Besonders wichtig für die persönliche Entwicklung sind die der persönlichen Handlungsantriebe (Motivation). Je vielfältiger die ausgeprägt ist bzw. als eigenständiger Faktor das Leben bestimmt, desto unabhängiger wird der Mensch von äußeren antreibenden Faktoren, desto vielfältiger seine Interessen und der ‘Lustgewinn’, den er im Vollzug der Bedürfnisbefriedigung erfährt. Menschen lassen sich daher zwar leicht an u.a. Größe und Hautfarbe unterscheiden, aber noch viel deutlicher an der Ausprägung ihrer unterschiedlichen Bedürfnisstrukturen und dem Einsatz, den sie zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse unternehmen. Hoffentlich sind sie überwiegend edel, hilfreich und gut.
4. Herr Sarrazin hat sich nun einen Teilaspekt menschlicher Entwicklung herausgepickt, in dem Gesellschaftsunangemessenes bei bestimmten Bevölkerungsgruppen praktiziert wird. Dabei läßt er – darin ist er kein Fachmann – den Aspekt der ‘sozialenVererbung’ gänzlich außen vor und konzentriert sich auf die beliebte Gen- und Gehirnforschung, deren Ergebnisse zwar die Strukturen bestimmter Eiweißverbindungen erkennen lassen oder auf Bildschirmen deutliche Lichtblitze zum Aufscheinen bringen, ansonsten aber zur Erkenntis menschlichen Verhaltens wenig beizusteuern haben (und wohl auch nie werden).
5. Ansonsten lenkt die massive Diskussion über Sarrazin und seine Thesen, insbesondere seinen Genquatsch, davon ab, dass ‘die Politik’ und die allermeisten gesellschaftlichen Gruppierungen sich nicht dafür einsetzen, den hier vorhadenen gesellschaftlich vorhandenen aber äußerst ungleich verteilten Reichtum so einzusetzen, dass jeder die Chance hat, im Rahmen seiner Möglichkeiten eine Vielzahl von Bedürfnissen zu entwickeln und aus deren Befriedigung ohne Sorgen um das tägliche Leben Lustgewinn zu ziehen. Übrigens ein altes Modell von Herrn Marx. Dazu können durchaus auch einfache Tätigkeiten gehören, wie sich aber immer wieder zeigt, auch vorwiegend sozial orientierte oder solche , die entstehen, wenn man seinen geistigen Horizont erweitert. Fragen Sie mal Teilnehmer an einem – freiwilligen – Philosopiekurs.