?: Herr Oberbürgermeister, die finanzielle Lage Braunschweigs ist ernst?
OB: Sehr ernst. Obwohl wir die Stadtwerke verschleudert haben und uns jetzt die 200 Millionen fehlen, die jährlich an die Stadt gingen, sind wir doch stolz darauf, dass wenigstens die Veolia-Aktionäre in Paris davon profitieren…
?: ?
OB: Selbstverständlich legen wir wert auf unser internationales Ansehen. Ich sage nicht nur Frankreich, sondern auch ‘China!’.
?: Diese globale Sicht wird den CDU-Wählern dieser Stadt gefallen. Aber was ist mit den lokalen Finanzen?
OB: Selbstverständlich lassen wir zu diesem Zweck unsere Schulen gerne verkommen, wie überall anerkannt wird.
?: ?
OB: Ich habe zum Beispiel FDP und CDU und nicht zuletzt die hiesige SPD davon überzeugen können, dass wir nicht nur das Bildungspotential unserer Jugend zerstören sollten, das wäre zu kurz gedacht. Wichtig war es für uns immer, soviel Geld wie möglich zu vergeuden, auch solches, das wir nicht haben, damit nicht doch noch irgendwer daher kommt und was in Bildung etc. stopft.
?: Etwas genauer bitte…
OB: Denken Sie an die Doppelfunktion des Spaßbades. Einerseits schädigen wir die Mitbürger, indem wir ihnen die Stadtteilbäder wegnehmen. Anderseits verschwenden wir immerhin 26 Millionen für den Bau des nun wahrhaftig absolut überflüssigen Spaßbades und tun zugleich der FDP einen überregionalen gefallen…
?: ?
OB: Spaßbad – Spaß – Guidomobil – mehr brauch’ ich doch wohl nicht zu sagen!
?: Subtil! Regional haben Sie also nicht mehr auf der Pfanne, als ein paar Steuer-Millionen beim Spaßbad zu versenken?
OB: Ihre Fragestellung ist schon ziemlich dreist. Schauen Sie doch bitte auf mein Wirken in dieser Stadt, Privatisierungen aller Art, Müllberg nahe dem Zentrum, Rathausabriss…
?: Eine beeindruckende Bilanz!
OB: Eben. Sie sollten aber doch wissen, dass das Zubetonieren des Stadtwaldes bei Waggum….
?: Überflüssige Verlängerung der Landebahn?
OB: Sehr richtig. Da verstehen wir es, weitere Millionen zu vergeuden…
?: EU- Mittel gibts ja nicht…
OB: Ja leider. Es wären ja auch Steuergelder, die hätten wir gerne zwecks Naturzerstörung genutzt. Es geht aber auch so. Wir sind tatsächlich auf städtische Mittel angewiesen. Aber, um einem Einwand zuvorzukommen: Zugleich ist es mir gelungen, große Teile des Braunschweiger Rates zu verblöden, indem er glaubt, durch die Landebahnverlängerung entstünden neue Arbeitsplätze (lächelt verschmitzt). Aber es ist noch schöner. Ich gefährde darüber hinaus auch ganz direkt Braunschweiger Arbeitsplätze, weil bekanntlich die Zerstörung des Waldes voll auf den Absatz bei VW (Anmerkung von ?: zu 37,5% an der Braunschweig-Wolfsburger Flughafen AG beteiligt) durchschlagen wird, weil kein ökogesinnter Käufer mehr VW als ‘grünem Autokonzern’ glaubt, dass er es mit Öko ernst meint und folglich alle weiteren positiven Produktbehauptungen unglaubwürdig sind und darauf hin andere Marken bevorzugen wird.
?: In der Tat, ein genialer Schachzug. Haben Sie noch weitere Pläne? Etwa als Bundeskanzler, Vorsitzender einer großen Partei oder dergleichen?
OB: Selbstverständlich würde ich mir zutrauen, auch die BRD zugrunde zu richten oder erst recht eine der großen Volksparteien…
?: ?
OB: Aber da werde ich nicht gebraucht. Besonders würde mich natürlich die Bundes – SPD reizen. Aber jetzt hat die SPD doch gerade Herrn Gabriel gewählt, der kriegt das auch hin… Man muß immer objektiv bleiben.
?: China?
OB: Die sollen erst mal was aufbauen. Aber dann werde ich vielleicht als Berater gebraucht. Man wächst mit seinen Aufgaben!
?: Vielen Dank für das Gespräch.