Im Bericht über den zum Wilderer gewordenen Förster Schiers (siehe Kriminalität im Nationalpark Harz durch Förster nimmt zu vom 21.3.2007) ist auch von der Motivation des Mannes zu seiner kriminellen Tat die Rede. Selbstverständlich nimmt er nicht die Befriedigung von Mordlust für sich in Anspruch. Na gut – er lehnt das Motiv aber auch nicht ab. Es heißt laut Goslarsche Zeitung vom 17.3.2007, er wollte ‘in seinem alten Schwarzenberg-Revier die Abschußzahlen erzielen’. Könne er aber nicht, weil dort überhaupt kein Wild mehr sei. Wir erinnern uns, dass zwischen Altenau-Oker-Harzburg im letzten Herbst eine Jagd mit über 70 Schützen, ca. 30 Hunden, Treibern etc. stattgefunden hatte, bei der zwei Stück Rotwild zur Strecke kamen. Das Gebiet war also praktisch schon leergeschossen, der Rotwildbestand weitgehend vernichtet. Schiers hat also mit seiner Diagnose recht. Folglich muß er quasi ganz woanders hingehen, wo noch Wild ist, sonst kann er in ’seinem’ Revier den Abschuß nicht erfüllen, ist doch klar. Wenn ich zum Beispiel bei Aldi Nudeln kaufen will und da sind Nudeln ausverkauft, dann gehe ich eben zu Rewe und klaue sie dort, ist doch wohl logisch. Aber die Wilderei des Forstmannes folgt nicht nur solcher Logik. Jetzt kommt der Naturschutz ins Spiel. Genau genommen der Baumschutz, noch genauer die Bäume, die Schiers perönlich (na, wenn das mal stimmt) gepflanzt habe. Um exakt diese Bäume zu schälen, abzufressen – oder ins Ausland zu verkaufen, wer weiß? - kommen Hirsche mit prima Geweih extra aus dem benachbarten Nationalpark, wo die Schonzeiten leicht verkürzt sind. Gut – es sind die letzten ihrer Art im Harz – aber das ist egal, die müssen weg, Naturschutz, wie ich ihn verstehe, ist wichtiger und wenn ich kriminell werden muß! Gut, die Hirsche kommen überhaupt nicht zum Abfressen, dann muß ich eben extra in ein fremdes Revier gehen, na schön, auch mal die Schonzeit verletzen. Aber was soll’s, ich habe mich ja sowieso nicht mehr unter Kontrolle (wörtlich: ‘Ich war sauer’), es dient ja alles dem Naturschutz, außerdem merkt’s ja keiner. Peng. Geweih an die Wand und das wär’s gewesen, hätte nicht ein stiller Beobachter die böse Tat angezeigt. Da mach’ ich doch schnell ‘ne Selbstanzeige, Geier hilf.
Nun kommt Kumpanei ins Spiel. ‘Früher waren wir (die Förster- und Staatsanwaltkumpel?) bei solchen Grenzgeschichten toleranter’, sagt Herr Schiers in der GZ. Und jeder seiner frühreren Untergebenen und sonstwie Abhängigen kann noch immer bestätigen, wie wohltuend tolerant der Amtsinhaber Schiers war. Kann eigentlich nix schief gehen, soll Staatsanwalt Geyer gesagt haben, schließlich geht es um ein Offizialdelikt, da ’sei noch alles offen’. Nein, nein, Herr Geyer, für Sie ist überhaupt nichts offen, falls Sie für den Fall zuständig sind. Dafür wird die Strafanzeige in Sachen Wilderei beim hiesigen Generalstaatsanwalt sorgen.
Herr Schiers an sich unterscheidet sich in seinem Denken, so weit es den Glauben an seine Notwendigkeit als Wildabschießer zum Zwecke des Naturschutzes betrifft, nicht von seinen Förster-Kollegen im Nationalpark und vor allem im Umweltministerium mit MU Sander und Staatssekretär Eberl. Während sich Herr Schiers ohne besonderes Unrechtbewußtsein, s.o., nur über das Straf- bzw. Jagdrecht hinwegsetzt , setzen sich Sander, Eberl, Wulff, Umweltausschuß über bestehendes Bundesrecht und Bürgerinteressen hinweg und machen per Landesrecht den Nationalpark Harz zum Spielball von Jagd- und Försterinteressen, auch unkontrolliert durch den Bundesumweltminister. Statt ‘Gewährleistung natürlicher Dynamik’ sind Geldvergeudung im Hundertmillionenbereich zum Nachteil von Bildung, Wissenschaft, Sicherheit, Naturerleben, Naturtourismus etc. die Folge.
Es wird wirklich höchste Zeit, dass sich die Naturschutzverbände, Bürger allgemein und die sich ihrem Amtseid verpflichtet fühlenden Politiker in Regierung und Opposition gegen die Herrschaft eines Denkens und Handelns protestieren, auf das Herr Schiers durch seine Taten und öffentlichen Aussagen aufmerksam gemacht hat. Insofern wird er auf seine alten Tage vielleicht doch noch zu einem gesetzestreuen Natur- und Nationalparkschützer. Ohne Jagdschein wird ihm das leichter fallen. Dann macht es auch nichts, wenn er mal wieder ’sauer’ wird. Wir müssen ihm ja nicht unbedingt begegnen, wenn er sauer ist und Auto fährt, lieber nicht.