Mord in Nationalparkgemeinde – DER SPIEGEL berichtet

By Hoffer

Wie gewöhnlich mit zeitlicher Verzögerung (Nr. 31 am 30.7.2007, ab S. 38). Nicht über den Mord im Nationalpark. Der hat schon im Juni stattgefunden und wird ab ersten September fortgesetzt: 272 Schützen (halt! 271, denn ein Wilddieb fehlt) versammeln sich, um im Schutzgebiet höchster Kategorie Rehe, Hirsche, Wildschweine in maximal großer Zahl zu vernichten. Einige vom Staat, von uns, hochbezahlte Bonzen und auch Herr Herrmann von der Braunschweiger Zeitung werden wieder dabei sein. Darüber schreibt DER SPIEGEL nicht, denn seine Nationalparkberichterstattung wird m.W. auch von ‘Jägern’ gesteuert.

Aber er schreibt über den Mord eines Pleite  gegangenen Hoteliers an seiner Ehefrau und über seine Brandstiftung, über seinen Selbstmord. Verzweiflung und Not auch bei anderen Menschen aus Braunlage, der Harz-Region. Die Touristen alten Schlages bleiben aus. Anders als in Orten wie Zernez, am Schweizerischen Nationalpark gelegen, bleiben die Naturtouristen in Braunlage aus,  obwohl es direkt an den Nationalpark Harz grenzt. In der Schweiz bilden Naturtouristen eine stabile Fremdenverkehrs-Grundlage.  Weil im Schweizerischen Nationalpark nicht nur sich selbst überlassene Natur, sondern vor allem die einheimische, gut beobachtbare, weil unbejagte Tierwelt die Touristen-Attraktion ist. Kein Mord, kein Totschlag, keine leerstehenden Hotels und Pensionen, keine Verzweiflung über wirtschaftlichen Niedergang durch ausbleibende Touristen.

Ganz anders im Harz. Statt den Nationalpark nach national (Bundesnaturschutzgesetz §24) und international geltenden Regeln (IUCN) zu führen, halten es niedersächsische Politiker für richtig, die vom Fremdenverkehr abhängigen Bürger ihres Landes über die Klinge springen zu lassen, damit einige Bonzen und Oberförster ihren verquasten Vostellungen von Nationalparkbehandlung folgen können. Und das für weitere 50 Jahre (Nationalparkdirektor Pusch im NDR) tun wollen. Überflüssige Jagd und Forstwirtschaft kosten dann unter dem Strich zusätzliche 300 Millionen Steuergeld.

Wer sind die Verantwortlichen? Die Weichen gestellt hat der jetzige Bundesumweltminister Gabriel, der seinem Freund Dr. Barth, dem damaligen Nationalparkdirektor, eine Nationalparkbehandlung mit Jagd und Forstwirtschaft erlaubte, die den schon damals bestehenden international gültigen Nationalparkkriterien widersprach. Zur Zeit sind verantwortlich Ministerpräsident Wulff (CDU), unterstützt von Landesumweltminister Sander (FDP) und seinem staatssekretär Dr. Eberl, beides Forstleute alten Schlages, die  für Forstwirtschaft und Jagd im Nationalapark, direkt verantwortlich sind. Über die Umweltqualifikation von Herr Sander ist man sogar in der EU entsetzt, während Herr Eberl sich als Bonzenjäger hervortut durch Priviligierung beim Abschuß des stärksten jungen Harzer Hirsches. Ganz am Ende steht Herr Pusch, der weder verstanden hat, welche Spielräume er hat, noch – als eifriger Tiertöter – irgendwelches Interesse, sie zu Gunsten der Natur und des Naturtourismus zu nutzen. Die genannten Personen sind es, die dem Harz als Magnet für Naturtourismus jede Attraktivität rauben. Sind sie aber auch für den Bilanzselbstmord des oben erwähnten Hoteliers verantwortlich, für Verzweiflung im Tourismusgewerbe? Sind Gabriel, Wulff, Sander, Eberl, Pusch Mörder, Totschläger – an Menschen? Wohl nicht. Aber sie nehmen beides in Kauf. Und sie tun es bewußt, denn auf die Folgen der von diesem Personenkreis zu verantwortetenden Nationalparkbehandlung für den Naturtourismus, für Arbeitsplätze im Harz, sind sie schon vor Jahren und immer wieder aufmerksam gemacht worden.  Was mögen sie jetzt wohl denken? Es darf vermutet werden: Durchladen, weiterschießen, bis der Lauf glüht, Wahlkampf, gewählt werden. Kann man weiterschießen auch durch weiterlügen ersetzen? Weiter skurpellos begünstigen? Auch hier, wie in der Documenta-Kunst: Mehr Fragen als Antworten.  Was für die FDP aber schon feststeht: Bräsig Sander und CA-Hirche müssen 2008 wieder in die Regierung. Gabriel (SPD) will sich wegen Asse II lieber nicht für Atomrecht oder die Durchsetzung des BNatSchG einsetzen und trotzdem Umweltminister bleiben. Wulff (CDU) tut alles – soll seine neue Freundin gesagt haben. Wirklich alles. Und die lügt nicht.

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