Zu wenig Geld, zu wenige Lehrer, zu wenige Professoren, marode Schulgebäude, zu große Klassen, Unterrichtsausfallzeiten, Gründungsverbot von Integrierten Gesamtschulen, Lehrer, die zu miesesten Bedingungen als Ein-Euro-Kräfte arbeiten, zu wenig Ingenieure, stattdessen Steuergeldverbrennen in Nationalparken etc. pp. - kurzum in einem der reichsten Länder sieht es schlecht aus, was Zukunftssicherung und Bildung angeht.
Aber Rettung naht. Unerschrocken sorgt die Tageszeitung – vor Ort die Braunschweiger Zeitung – für Abhilfe. Nicht etwa durch Anprangern der Mißstände, einfordern von Abhilfe, nein, nein. Sondern durch das Bildungs- und Ingenieurwesen konkret befördernde Informationsflut. Auch die Bionik wird nicht ausgespart und schon die Kleinsten werden auf diesen ganz wesentlichen Wissenschaftsbereich aufmerksam gemacht und so das Interesse am Ingenieursstudium geweckt. Was macht zum Beispiel die Biene auf der Distel? Kaum sitzt sie drauf, rollt sie schon den kleinen Rüssel ihres Ministaubsaugers aus und fängt an, Blütenstaub zu saugen – und schwuppdiwupp hat sie mit ihrem kleinen Biosaugmaschinchen den ganzen Blütenstaub aufgesaugt, gerade so wie Mammi das mit dem Staub auf dem Perserteppich tut, und schon kann die Distel wieder staubfrei mit dem Kopf nicken. So lernen die Kleinen von der Natur (BZ vom 30.10.2007, Seite 30).
Aber dann gibt es noch den großen sozialen Bereich. Wie gehen Menschen miteinander um, wie wird man zum Beispiel Ministerpräsident? Auch dieses wertvolle Wissen wird vermittelt. Und wer könnte das besser als ein echter Ministerpräsident? Richtig. Keiner. Aber hat er auch Zeit? Doch, hat er, denn nichts ist wichtiger als die Bildung der Kleinen. Nachdem die Einführung in der Kinderuni die Kinder erstmal darüber aufklärte, wie es in Südafrika war und dass zu kleine Klassenräume völlig in Ordnung sind (BZ vom 22.10.2007), geht es bei der Folgevorlesung ans Eingemachte. Sozialverhalten! Wie werde ich Ministerpräsident? Der Termin ist schon ausgebucht, deshalb sei einiges doch schon hier aus einem Probelauf verraten: Liebe Kinderstudenten. Heute ist die Frage dran: Wie werde ich Ministerpräsident? Wichtig ist der Wahlkampf. Das ist die Zeit, in der Wähler wissen wollen, was ein Mensch zu tun beabsichtigt, wenn er erst mal Ministerpräsident ist. Hier ist es ebenso wie bei den Bienen. So wie die Biene ohne Rüsselchen keinen Blütenstaub aufsaugen kann, ist es zum Beispiel in Niedersachsen nicht möglich Ministerpräsident zu werden, wenn man nicht tüchtig lügt. So muß man erzählen, dass man als Ministerpräsident ‘ einen massiven Sparkurs’ einschlagen werde. Also, ich teile dem Wähler zum Beispiel mit, dass ich damit aufhören werde, mit dem mühselig verdienten Steuergeld, das mir eure Mammas und Pappas abliefern müssen, sinnlos herumzuaasen… Dann muß man auch noch erzählen: Ich werde Bürokratie abbauen. Dann lüge ich weiter: ‘Dort, wo es nichts zu verwalten gibt, wird nichts mehr verwaltet….’ Als Beispiel: Die überflüssig große Nationalparkverwaltung. Weiter im Text: Und dann noch eine Lüge, die man im Wahlkampf nie vergessen darf: ‘Ich werde Gesetze und Regelungen auf den Prüfstand bringen….’. Wenn wir ein Landesgesetz gemacht haben, das vom Bundesgesetz abweicht, wird das geändert! Und nun, liebe Kinder kommt das Wichtigste: Ich muss als Ministerpräsident unheimlich aufpassen, dass man keines dieser Wahlkampfversprechen einöst – auch nicht aus Versehen! Sonst steht man in der CDU total blöd da! Zum Beispiel werden alles in allem allein im Niedersächsischen Nationalpark dreihundert Millionen Euro im Lauf der nächsten 50 Jahre vergeudet, sagt auch Nationalparkdirektor Pusch, CDU, weil da ganz viel geförstert und gejagt werden soll, obwohl das eigentlich verboten ist. Aber es wäre völlig verkehrt, dieses Geld einzusparen und zum Beispiel für mehr Lehrer einzusetzen (erleichtertes Aufatmen beiden kleinen Zuhörerern). Dann könnte ich ja überhaupt nicht mehr die Bonzenjäger aus der FDP begünstigen. Koalitionstaktik! (verständnisvolles Nicken der 8 bis 12-Jährigen). Na seht ihr, so macht man das! Aus der Probevorlesung: Ah – da ist eine Frage? Im Redemanuskript: Damit muß man rechenen, wir sind hier nicht im Kabinett. Ein nicht sehr aufgeweckter Achtjähriger: Aber du hast doch geschworen, zum Wohle der Bürger zu handeln, warum wolltest du dann nicht, dass das Rauchverbot in Gaststätten eingeführt wird? Das verstehst Du noch nicht (beiseite: freche Göre!). Ich will es aber wissen! Gerade habe ich doch erklärt, dass man ohne prima lügen zu können, nie im Leben Minsterpräsident werden kann! Ich habe sogar Beispiele gesagt! Glaubst Du denn, man ist schon Ministerpräsident, wenn man seinen Amtseid schwört? Nein, man ist es erst hinterher! Dialektik! Noch mehr Fragen? Aus einer der vorderen Reihen ist für diesen Notfall die Anwesenheit der neuen Freundin vorgesehen, die Wulff dann zuflüstern würde: Bleib ruhig, es sind doch nur Kinder! Die Braunschweiger Zeitung wird schon nicht darüber schreiben.
Jedendalls soll der zweite Auftritt Wulffs schon völlig ausgebucht sein. Aber zwischenzeitlich wird die BZ die Kleinen weitere aufklären über Bionik und so weiter.