Wer die Qualen kennt, die eine Wahl mit sich bringt, wird auch den Diskussionen Interesse schenken, die in der CDU geführt wurden, damit sie wieder Wahlsieger in Niedersachsen wird. Hauptfrage: Wie soll der Ministerpräsidentenkandidat herausgestellt werden? Konsens herrschte dofort darüber, dass dies keineswegs über eine inhaltliche Botschaft zu bewerkstelligen sei. Er soll nett lächeln und sagen: Ich werde die Bürokratie abbauen, sagte eine noch unerfahrene Helferin des Kreativteams. Ein junger Hochschulabsolvent eifrig: Er soll nett lächeln und sagen: Ich werde Steuern einsparen… Wegen des brüllenden Gelächters des restlichen Kreativteams konnte er seinen Satz nicht zuende sagen….aber Mädchen, diese Lüge hatten wir doch schon letzte Wahl. Herr Brandes, der mit der Flinte im Europareservat, spitz: Auch wer promoviert ist, sollte erst mal nachdenken, bevor er was von Steuernsparen faselt, sowas gibts hier nur für Reiche….der junge Akademiker unerschrocken und unter Aufsspielsetzung seiner künftigen Parteikarriere: Dann eben irgendwas über Bildung, die sei ihm wichtig…..Nun reicht’s aber! gleich aus mehreren Mündern. Davon hat Wulff nun wirklich Null Ahnung, spätestens seit Lauterbach ihn bei Will auf den Topf gesetzt hat, weiß das jeder Hinterwäldler. Nein, nein, diesmal keine offensichtlichen Lügen, nichts über Schulen, mehr Lehrer, IGS-Neugründungsverbotsaufhebung und andere Lügen – der Kandidat muß glaubhaft sein. Nett sieht er aus, das ist sein Pfund, aber wie stellen wir seine Weicheiproblematik als Vorteil heraus, läßt sich von den Förstern im Nationalpark und im Umweltministerium auf der Nase herumtanzen, will erst mehr Krebs durch Rauchen in Kneipen… allgemeines starkes Grübeln, grübel, grübel….Zum Glück hatte die 22-jährige Tochter eines Bezirksschornsteinfegers die rettende Idee. Wär es nicht prima, wenn er wieder mit einer neuen Freundin….
Und so kam es, dass ein riesiges Plakat für Wulff und die CDU wirbt, auf dem er unwahrscheinlich tief einer jungen Frau in Schornsteinfegeruniform in die Augen blickt, nachdem er sie zweimal ausprobiert hat und sie ihm deshalb zwei Striche auf die Wange machen darf. Damit ist aber noch nicht klar, wer nun tatsächlich die neue Freundin wird, weil es doch noch lange dauern wird, bis er alle anderen Schornsteinfegerinnen ebenfalls ausprobiert hat. Damit das alle erfahren, die darauf unterschwellig neugierig sind, müssen sie ihn natürlich im Januar wählen, ohne dass sie vom Verstand her genau wissen, warum eigentlich. Auf jeden Fall muß man sagen: Das ist zuletzt doch noch eine absolut ausgfeilte Wahlkampfstrategie geworden. Die Wähler interessieren sich nicht für Wahlkampflügen sondern vor allem für Sex, besonders solchem mit ungewissem Ausgang und mit Schornsteinfegerinnen. Das weiß doch jedes Baby. Da wird es Jüttner schwer haben.