Bekanntlich lauern dort fortwährend Gefahren, denen die deutsche Bundesmarine mit schwerem Gerät, Fregatten und Korvetten, zu trotzen weiß. Wer erinnert sich nicht an den heldenhaften Einsatz der Fregatte Bremen vor Mogadischu, die sogar unter Beschuß einer großkalibrigen Fausfeuerwaffe geriet, als sie versuchte, ihrem humanitären Auftrag gerecht zu werden. Mit Stolz weist die Bundesmarine auf die verschiedenen, höchstes seemännisches Vermögen erfordernden Wendemanöver der Bremen bei dieser Gelegenheit.
Nun ist auch die Korvette Braunschweig einsatzfähig und man kann nur wünschen, dass die Braunschweiger Prominenz, die sich von der vollen Funktionsfähigkeit dieses wunderbaren Geräts erst kürzlich überzeugen durfte, der Mannschaft viel Mut für die künftigen Aufgaben in tropischen Gewässern zuzusprechen vermochte. Denn – und darauf dürfen wir Braunschweiger gemeinsam mit unserem verehrten Oberbürgerbürgermeister, aber auch dem Oppositionsführer der SPD, also Herrn Hoffmann und Herrn Pesdischeck, dem glänzenden Juristen und dem bedeutenden Pädagogen, durchaus stolz sein, denn die Aufgaben der Marine im quallenverseuchten Pazifik vor Afrikas unwirtlicher Küste stellen eine Herausforderung bisher nicht bekannter Qualität dar.
Sind es nicht einfache Menschen, unerfahren in der Seefahrt (der christlichen ohnehin, denn meist handelt es sich um Muslime) von der Natur benachteiligt, dem Meere eigentlich fremd, die sich mit ungeheurem Mut, wie ihn hierzulande wohl kaum ein Binnenländer, etwa ein Braunschweiger, zu zeigen die Stirn hätte, die sich in einfachsten Schlauchbooten hinauswagen in die tosende See, um ihr kärgliches Leben – und das ihrer oft hungernden, in ärmlichsten Verhältnissen dahinfristenden Frauen (ja, das n ist berechtigt, Muslime, s.o.) und der folglich zahlreichen Kinderschar – auch das ist verständlich, denn nur zu oft fällt der Strom aus! – ein wenig durch jene Gaben zu erleichtern, die ihnen von den vorbeifahrenden Ozeanriesen aus den reicheren, begünstigteren Ländern dieser Welt, oft nur ungern überlassen werden. Erst jüngst waren es vier Frachter, die sie an Bord gebeten haben, während die vielen anderen achtlos, ja Menschenverachtend, vorbeirauschten.
Pfui Teufel!
Nun aber kommen die Fregatte Bremen und die Korvette Braunschweig ins Spiel. Wie leicht kann die dünne Gummihaut der Schlauchbötchen, denen sich jene Afrikaner in ihrer Not anvertrauen, porös werden, brüchig sogar bis hin zu einer Undichtigkeit, die das Bötchen in den Schlund der Meereswogen zieht? Wo bleibt da Hilfe, wo Menschlichkeit? Aber hier wird die Bundeswehr, besser als irgendanderswo ihrem humanitären Schutzauftrag gerecht, hier ist sie gefordert, hier kann sie zeigen, was Humanität ist. Rettung naht durch die gut ausgebildeten Nato-Truppen aus der Unendlichkeit des Pazifik.
Und nun ein Wort an all die Kritikaster, die es nicht nur ablehnen, dass unser Oberbürgermeister, angeblich sogar jenseits der Legalität, das beschriebene humanitäre Projekt tatkräftig unterstützte, indem er Braunschweig die Ehre antat, dieser Korvetten-Schiffsklasse (leider nicht der Fregattenklasse) den Namen Braunschweig anzutragen, den sie nun stolz in die Weltmeere hinauszutragen sich anschickt. Stellt ihr Kritikaster euch doch das glückliche Leuchten in den vielen, vielen Äuglein der Piratenkinder und der zahlreichen Piratenfrauen vor, wenn ein schneidiger Offizier oder Reserveoffizier der Bundeswehr den andernfalls von Haien und Quallen zerschredderten Piraten zurückbringt. Heil und unversehrt! Dieses Glück in den Augen der kleinen Wesen entschädigt für alle Anfeindungen. Einen kleinen Abglanz dieser Freude brachten jene Braunschweiger mit in unsere Stadt, als sie vom persönlichen Probeschießen (das mußte sein, denn wie soll man sich sonst gegen die Störer des geplanten humanitären Einsatzes wehren?) zurückkehrten.
Noch eine persönliche Bemerkung: Die Bundeswehr täte Unrecht, wenn sie denjenigen Braunschweiger Bürgern, die auf der Braunschweig persönlich und aus humanitären Gründen Schüsse abgegeben haben, diese in Rechnung stellen würde, da eine Granate oft einige Tausend Euro kostet. Das wäre das falsche Signal!