Herr Lücke ist der gut bezahlte Geschäftsführer des Harzer Verkehrsverbandes, einer der Erfinder des Hexenstieges. Mit Hexen soll für das Wandern (und Übernachten) im Harz gworben werden, weil Hexen bekanntlich die weisen Frauen des Mittelalters gewesen sind, was man damals aber nicht richtig erkannt hat. Deshalb wurden sie ja auch verbrannt. Aufgrund dieser kulturhistorisch wertvollen Reminiszens hat Herr Lücke auch dafür gesorgt, dass Hexen heutzutage nur als schöne und weise Frauen dargestellt werden, um so Fremde anzulocken, die ein wenig von ihrer Weisheit abhaben wollen. So will er auf dialektische Weise auf das elnde Martyrium dieser (meist) Frauen aufmerksam machen und verdeutlichen, dass der Hraz eine hochmoderne Attraktivität für jeden Touristen darstellt. Sehr tüchtig, Herr Lücke!
Und weil ihm das so prima mit dem Hexensteig gelungen ist, konnte er auch gut auf die Anregung verzichten, von der Nationalparkverwaltung eine Alternative, nämlich den ‘Erlebnisweg Wildtiere im Nationalpark Harz’ einzufordern. Denn dieser kluge aber gut bezahlte Mann weiß: Naturtouristen mögen zwar den Schweizer Nationalpark bevölkern, so dass kein Bett in den Gemeinden nahebei mehr frei ist – im Harz genügt die Werbung mit Hexen.
Nur ein I-Tüpfelchen fehlte noch. Nämlich das Nacktwandern. Diese Lücke, die man offensichtlich aus Mangel an Kompetzenz anderswo noch nicht bemerkt hat, will Herr Lücke nun nicht mehr unverschlossen lassen. Dieser mit großer Weisheit gefaßte Entschluß soll nun möglichst schnell umgesetzt werden. Er beruht auf dem Gedanken: Sex sells und wird – adäquat umgesetzt – nicht nur die Nacktwanderwege mit Nackttouristen füllen, sondern auch die mangels Naturtouristen leerstehenden Hotels, Pensionen etc. Was feststeht ist schon jetzt die zwingende Notwendigkeit, sowohl beim Schlafen wie beim Frühstück als Nacktwanderer keinesfalls einen Pyjama zu tragen. Da die Nacktwander-Idee offenkundig erfolgversprechend ist, sollen wohl auch Spezialwege angeboten werden, etwa (nur für Heren) der Erektionsweg oder für diejenigen Wanderer, die das Besondere mögen, der Maso-Sadopfad, auf dem eine gewisse Sonder-Bekleidung dann allerdings erlaubt sein muß!
Aus der Nationalparkverwaltung verlautet, dass der Nacktwanderweg vorbehaltlos akzeptiert wird und eine Beunruhigung des Wildes schon deshalb ausgeschlossen werden kann, weil bis zum 15.9. aus ethischen Gründen intensiv alles Rotwild abgeschossen wurde, was sich blicken ließ, um seine moralische Gefährdung sicher auszuschließen. Wer es nicht glauben will, kann ja in den Harz fahren, auch mit Hose, und kann sich davon überzeugen, dass trotz Hirschbrunft nirgends Hirschbrunft zu beobachten ist und selbst die Hirsche das Röhren eingestellt haben. Die Fürsorge der Nationalparkverwaltung hat sich also wieder einmal ausgezahlt.