Und das kam so. Herr Raue, ein tiefgläubiger Mensch, hat am Ende dieses Jahres verstanden, dass es mit Verlogenheit und Verschweigen der Tatsachen und Schönrednerei nicht getan ist, vor allem, weil Petrus ihn nicht nur als tiefgläubigen, im Grunde seines Herzens aufrichtigen, ehrlichen Menschen wahrnimmt, sondern als Chefredakteur der Braunschweiger Zeitung. So jemand kommt natürlich nicht ins Paradies und dieser Erkenntnis ist auch die Aufdeckung der fiesen Finanzmanipulationen – sagen wir einfach – des Kapitals zu verdanken. Leerverkäufe, Derivatehandel, Zockermentalität – all das meint er, wenn er von einem toten Esel und seiner Vermarktung in seltener Klar- und Offenheit spricht.
Schon in der Schublade sind – nach diesem Einblick in die Welt des globalen Großkapitals – seine Ausführungen und dienstlichen Anweisungen an sein Redakteursteam: Keine Verlogenheit mehr! Damit auch Zauner und Meyer begreifen, was damit gemeint ist, gibt er neue Richtlinien und Sprachregelungen aus. Daher werden wir in der BZ nie wieder über das Wunder von Braunschweig lesen sondern nur noch darüber, dass der Verkauf von profitablem Eigentum zwar zunächst einmal Geld in die Kassen spült, das Eigentum dann aber weg ist und jeder Kaufmannsgehilfe im ersten Ausbildungsjahr weiß, dass so keine Gewinne sondern Verluste entstehen. Dass Privatisierung , wie vom wichtelversehrten Verstand des Rates beschlossen, immer eine Neuverschuldung zu Lasten künftiger Generationen bedeutet (‘Forfaitierung’). Solche Erkenntnisse stehen freilich nicht in der Bibel (aber dafür auch heute wieder in der BZ, wo Hoffmann ungestraft von Braunschweig als ‘Finanzvorbild’ zu faseln beliebt) und erst Petrus persönlich mußte im Rahmen einer Erleuchtungsaktion zum Jahreswechsel den im Grunde seines Herzens guten und tiefgläubigen Mann darüber aufklären. Aus der langen Liste, in der all die Verlogenheiten aufgezählt werden, die verhindern, dass Petrus bei Herrn Raue nochmal ein Auge zudrückt, finden wir unter anderem die mangelhafte bis fehlerhafte bis falsche Berichterstattung über Müllkippen in Braunschweig, Sprachregelungen hinsichtlich ECE (‘Das Ganze nennen wir dann Schloss’), Bewertungen geistiger Erkrankungen wie etwa Visionen bei OBs, Entwertung des Gewissens und des Verstandes bei Mitgliedern des Stadtrates, Verlogenes aus dem Nationalpark, Verschweigen der Mißstände in der Kinderbetreuung, der Ursachen für Bildungsnotstand, marode Schulgebäude, Entgegennahme kriegerischer Geschenke per Ratenkauf zum Nachteil der Bürger, Weglaufen von Redakteuren und Oberbürgermeistern bei Bürgeranfragen, fehlende Geißelung von Verträgen zu Ungunsten der braunschweiger Bürger kurzum all das, was in der Braunschweiger Zeitung steht und mit normaler Unkenntnis oder Oberflächlichkeit bei der Berichterstattung nicht zu erklären ist sondern mit gezielter Desinformation und üblem Opportunismus.
In diesem Sinne ist zu wünschen, dass Herr Raue es schafft, Petrus’ Bedenken auszuräumen und nicht nur über Sachverhalte herumzuräsonieren, die er nicht beeinflussen kann.