An sich sollte über die NEUE ERMITTLUNGS- UND FAHNDUNGDTAKTIK FÜR STAATSANWALTSCHAFT UND POLIZEI – intern kurz NEFSUP genannt, nichts bekannt werden. Vorzeitig wurde aber trotzdem durch die Braunschweiger Zeitung alles ausposaunt. Besteht die Gefahr, dass die Unterwelt sich darauf einstellen kann, bevor NEFSUP überhaupt ihre volle Wirkung zu entfalten vermag? Ausgeplaudert wurde alles von dem bundesweit berühmten Lokalredakteur Meyer und die Frage ist, ob er, der sonst fast immer nur Meinungen mitteilt, mit der Verantwortung leben kann, die er jetzt auf sich geladen hat. Näheres war durch einen auch sonst gut unterrichteten Kenner und Beobachter der braunschweiger Szene zu erfahren. Er gilt als absolut zuverlässiger, bestens unterrichteter, emotionsfreier Informant, besteht allerdings auf Anonymität, was angesichts der Brisanz seiner Informationen (und vermutliche seiner Position) verständlich ist. Nennen wir ihn also NB, neutraler Beobachter.
?: Was ist Ihnen aufgefallen? Was ist los in Braunschweig? Die Leute wollen immer was über Mord und Totschlag, Politik, Kriminalität im weitesten Sinne hören, Vermutungen, Spekulationen etc.
NB: Wenn Sie glauben, dass ich jetzt über die Braunschweiger Zeitung herziehe, meine wichtigste Informationsquelle, dann haben Sie aber….
?: Nein, nein, nur Tatsachen!
NB: Aha. Also da hätte ich einen Kriminalfall, in dem eine völlig neue staatsanwaltliche Ermittlungstaktik, kurz NEFDUP genannt,…
?: ??
NB: Darüber darf ich nichts sagen es ist ein völlig neues Ermittlungssystem, noch streng geheim, das hier für einen besonderen Zweck angewendet werden soll und – das wird Sie freuen, noch dazu im Rathaus, ein mysteriöser Fall…..
?: ??
NB: Nun gut. Es geht um eine CD. Daten, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind…
?: Geheimnisverrat??
NB: Nein, Daten die öffentlich bekannt sind, hat Herr Hoffmann selbst gesagt.
?: Kann es dann stimmen?
NB: Ich beobachte nur. Jedenfalls hätten diese Daten nie veröffentlicht werden dürfen..
?: Obwohl sie schon allen bekannt waren und der OB selbst…?
NB: Ich muß weiter ausholen… Bekanntlich versucht ein Zusammenschluss von braunschweiger Bürgerinitiativen die bestehenden Parteien zu unterwandern. In zwei Fällen ist das jetzt schon gelungen…
?: Meinen Sie die BIBS?
NB: Darüber sage ich nichts, zu heiß. Jedenfalls hatte auch Herr Meyer von der Braunschweiger Zeitung seine Hände im Spiel und jetzt dreht er am selben Rad. Diesmal soll ein weiteres Mitglied der BIBS, äh, pardon, jedenfalls diesmal bei der CDU untergebracht werden….
?: Sie meinen also, dass Meyer wieder das Gerücht verbreitet, das ‘Mitglied ‘ wolle zur CDU wechseln und dann tut es das auch?
NB: Diesmal ist es schwieriger. Um bei der CDU aufgenommen zu werden, muß man, wir kennen das aus Italien, eine – sagen wir – Mutprobe abgelegt haben….
?: Wir wissen aber definitiv, dass kein BIBS-Mitglied zur CDU … auch Mutproben stehen nicht auf dem Programm, auch kriminelle Handlungen stehen nicht …
NB: Das ist ja der Trick. Die CDU-Ratsmitglieder müssen wollen, das der Wechsel stattfindet. Und das geht nicht, ohne dass man einen Sachverhalt konstruiert, bei dem die Staatsanwaltschaft schweres Geschütz auffährt und es im CD-Fall nicht darum gehen kann, warum die Verwaltung so schlampig geführt wird, dass eine CD aus dem Rathaus, deren Inhalt der Öffentlichkeit bekannt ist, obwohl sie Informationen enthält, die die Ausräuberei der Bürger belegen, trotzdem nicht aus der Obhut des Rathauses…. Also verletzte Aufsichtspflicht eventuelle…
?: Sie verzetteln sich, da kann keiner folgen…
NB: Jedenfalls ist es so. Einem Ratsmitglied wird von mir, äh, von der Verwaltung unterstellt, es habe die CD gestohlen. Da diese Unterstellung völlig absurd ist, kommt hinterher heraus, dass der Verdacht falsch war und die CDU diese Person dann mit offenen Armen aufnimmt, denn praktisch jedes CDU-Ratsmitglied hat bereits zum Nachteil der Bürger gehandelt und da muß ….
?: Wald bei Waggum, Rathausneubau – Abriß, Privatisierung?
NB: Natürlich, jeder weiß das. Da muß auch ein neues Mitglied zumindest in entsprechenden Verdacht gebracht werden, damit es in der Fraktion Anerkennung und Aufnahme findet…
?: Aber wie will man jemand, der sich nachweislich für das Eigentum der Bürger, ihre Rechte, ihr Vermögen eingesetzt hat….?
NB: Ganz einfach. Man zeigt ihn an, dass er etwas gestohlen habe, was jeder schon hat, was öffentlich bekannt ist, aber trotzdem nicht soll und damit nichts schief gehen kann, kommt die Staatsanwaltschaft ins Spiel mit NEFSUP.
?: ?
NB: Nach diesem Modell wird jemand sofort Gegenstand von Ermittluungen, wenn man mögliche andere Täter oder auch Passanten, es ist völlig egal….
?: Wie damals bei Stalin?
NB: Mir ist kein Ratsmitglied dieses Namens bekannt… Man befragt also irgendwen, ob er seine – in diesem Fall CD – selbst herausgegeben hat, andere fragt man, ob sie die CD gestohlen haben. Die sagen alle NÖ. Und schwupp, schon kann man gemäß NEFSUP denjenigen verdächtigen, der in die CDU eintreten soll. Denn die Braunschweiger Staatsanwaltschaft leitet natürlich angesichts der Ausgangslage sofort Ermittlungen gemäß NEFSUP ein, die Unschuld des Verdächtigen wird klar bewiesen, und schon kann er problemlos Mitglied der CDU werden.
?: Das könnte klappen. Werden wir demnächst in der Braunschweiger Zeitung lesen: ‘Weiteres BIBS-Mitglied verläßt Fraktion und wechselt zur CDU?
NB: Wahrscheinlich. Es läge jedenfalls im allgemeinen Interesse. Und auch Herr Meyer und Herr Zauner könnten weiterhin über Nebensächliches herumspekulieren und die eigentliche Recherche über Tatsachen würde dann im Rat selbst durchgeführt werden und den Braunschweiger Bürgern würden keine weiteren Nachteile entstehen und das verschleuderte städtische Eigentum könnte zurückgeholt werden……
?: Jetzt träumen Sie aber.
NB: Stimmt schon. Aber mein Leben wäre interessanter. Aber wenn ich an diese Ratsheinzelmännchen denke…
?: Ratswichtel!
NB: Sie haben recht- aber die Kölner Heinzelmännchen sind auch nicht mehr nützlich, im Gegenteil, arbeiten jetzt verdeckt, im Untergrund, sind verärgert und bringen ganze Straßenzüge ins Wanken.
?: Wie unsere Wichtel beim Rathausneubau?
NB: Ich habe meine Leute im Griff!
?: Vielen Dank für das Gespräch, äh….
NB: …(leiser werdend)…. da wird auch kein Verantwortlicher zur Rechenschaft… nur andere…..Redliche…ha,ha …..Filz….mein großes Vorbild…..
NB nimmt sich im Weggehen den angeklebten Bart und die Sonnenbrille ab, steckt die Perücke in die Tasche, und sieht plötzlich Ludwig II sehr ähnlich. Allerdings, der ist es nicht, zu kurz geraten. Sollte hinter NB etwa…..???