Manche Menschen mögen es für Wahnsinn halten, einen wertvollen Wald mitten in Europa zu vernichten, wo wir doch sorgenvoll nach Indonesien blicken – dem Land mit der drittgrößten CO2-Emission weltweit, jedenfalls so lange dort noch die Wälder und Sümpfe brennen, damit dort Palmölplantagen entstehen können, für Öl, das wir in Europa entweder in Form von Margarine essen oder dem Benzin beimischen, damit alles ökologischer wird.
Aber es gibt auch eine freudige Nachricht. Dabei ist nicht an die Freude eines Ratsrumpelstizchens gedacht, das nach Bekanntwerden der OVG – Entscheidung : ‘Kahlschlag erlaubt’ durch die Ratsversammlung hüpfte oder an Herrn Lehmann, der mit freudebebender Stimme die entsprechende OVG-Presseerklärung verlas oder an Herrn OB Hoffmann, der mit dem ebenfalls freudig erregten Herrn Meyer von der Braunschweiger Zeitung die Nachricht besprach. Wer wollte darüber noch etwas lesen, wo doch bekannt ist, dass die Freude am Vernichten von Natur (innerstädtischer Schlosspark)oder die Verschleuderung von bürgerlichem Vermögen durch Verkauf oder PPP fester Bestandteil ihrer Persönlichkeiten sein soll?
Aber nun die frohe Botschaft an alle, die zwischen Waggum und Wolfsburg wohnen und auf dem Weg zur Arbeit oder sonstwohin regelmäßig die L 293, die spätere Grasseler Straße, benutzen müssen, um nach Braunschweig zu kommen. Sie alle haben eine Sorge weniger, wenn im Oktober mit dem Abhacken des Waldes der Bau der Landebahnverlängerung beginnt. Denn ganz sicher müssen sie pro Fahrt etwas über 5 Kilometer weiter fahren als bisher, mit der Rückfahrt zusammen also mindestens 10. Da auch ein Kleinwagen bei realistischer Berechnung ungefähr einen Euro pro Kilometer kostet und ein Arbeitnehmer vielleicht 250 Tage im Jahr arbeitet, brauchen sich L293 -Benutzer um jährlich 2500 Euro weniger keine Sorgen mehr zu machen.
Bedanken Sie sich also bei allen, denen Sie Ihre Sorgenminderung verdanken, vielleicht doch lieber in schriftlicher Form, beim Oberbürgermeister, bei Herrn Manlik von der Flughafengesellschaft, den Aktionären dieser Gesellschaft und nicht zuletzt den Mitgliedern des Stadtrates von CDU und FDP, dass Sie in Zukunft oft mehr als einen Monat länger arbeiten müssen als jetzt, damit sie weiter mit dem Auto nach Braunschweig fahren können; dass Sie sich keine Sorge mehr machen müssen, wie gebe ich das Geld aus, das ich beim Nichtausbau sonst zur Verfügung hätte – richtig – soviel Zeit haben Sie ja nicht mehr, weil Sie einen Umweg fahren müssen und dann auch noch in Waggum im Stau stehen. Auch auf Ihre Altersvorsorge, für die Sie das Geld sonst vielleicht genommen hätten, können Sie sich jetzt um so mehr freuen, weil sie später beim Geldzählen nicht soviel Zeit vertrödeln. Auch steigt natürlich die Freude, weil Sie den Kredit für Ihr Häuschen dann nicht so schnell abzahlen können und insofern länger etwas davon haben. Auch Ihre Kinder brauchen dann nicht mehr so lange zur Schule zu gehen oder gar zu studieren, weil die Verknappung Ihres Einkommens beides unmöglich machen könnte und insofern Überqualifizierung verhindert wird.
Sicher gibt es für die Nutzer der L 293 noch weitere Vorteile und das ewige Gemecker über Naturvernichtung zu Gunsten einiger Profiteure wird dadurch mehr als ausgeglichen. All dies haben Sie jenen zu verdanken, die mit dem Argument, Forschung müsse sein, beim OVG Lüneburg durchgekommen sind – obwohl doch bekannt ist, dass die DLR für ihre Computerforschung (denn das tut sie in Braunschweig) überhaupt keine längere Landebahn benötigt und Forschungsflüge auch mit Großflugzeugen zu machen wären, sowohl aus rechtlichen wie aus technischen Gründen – hat ein DLR – Pilot in Lüneburg gesagt. Aber wahrscheinlich war das auch so ein Miesepeter, der Ihnen, liebe Mitbürger zwischen Waggum und Wolfsburg, nur die Freude am geringeren Einkommen bzw. den höheren Ausgaben nicht gönnen wollte.
PS: Falls Sie die Strecke noch 10 weitere Jahre befahren wollen, kostet Sie das übrigens 25000 zusätzliche Euro.