Archiv für die Kategorie ‘Bildung und Wissenschaft’

Fachgruppe Biotechnologie gestern in der Universität

November 6, 2009

Die Fachgruppe Biotechnologie hatte gestern in der TU zu einem Diskussionsabend eingeladen (ausgeladen war die Bürgerinitiative Braunschweig, klar, Herr Noske moderierte). Außer Frau Ober vom Nabu und dem unabhängig arbeitenden Herrn Dr. Then, waren nur Gentechnikbefürworter auf dem Podium. Frau Reimann zeigte sich kritisch: Kennzeichnungspflicht ja, aber nur weil die Leute das wollen. BASF-Schmid: alles überhaupt nicht schlimm, er lebe noch, obwohl er 65 Kilo Gensoja jährlich verzehre und Professor Backhaus, der Hauptamtliche Gentechniker, hatte für den Zusammenhang Genpflanzen, Herbizidmittelresistenz, Bodenfauna-          und -floraverseuchung, Bodiversitätsminderung (beklagt von Frau Ober) nur ein gewohnheitsmäßiges  Dauergrinsen übrig, was zumindest einen guten Zahnarzt erkennen ließ. Hoffnungsfroh und zugleich skeptisch zeigte sich Herr Then, weil es schon mehr als genug weiterentwickelte Nahrungspflanzen gebe, die künftigen Herausforderungen genügen, die  aus herkömmlicher Züchtung stammen und weil laut Koalitionsvertrag – Überraschung! – die Patentierung von genmanipuliertem Saatgut verhindert werden soll, während BASF-Schmid beim Stichwort Patentierung des Lebendigen zu längerer Höchstform auflief, weil es die doch schon gebe. Na ja, und schließlich sei ja nochmals bisher noch keiner wegen Genmanipulation tot umgefallen und dass sich irgendwelche indischen Kleinbauern wegen Abhängigkeit von Gensaat und Einsatz von dafür nötigen Giften (von derselben Firma) und der weggezüchteten Fruchtbarkeit zurückbehaltenen Saatguts und der  sich daraus  ergebenden Verschuldung schon mal umgebracht hätten – das sei nicht wahr, hätte er selbst gelesen.

Und so war es kein Wunder, dass die angestrebte Weltherrschaft durch Nahrungsmittelmomonolisierung gar nicht so recht zur Sprache kam, auch der Verlust von  Eigentumsrechten an an sich nicht genmanipulierten Pflanzen durch Pollenflug wurde kaum behandelt. Die schließlich gezogene Bilanz: Alles gar nicht so schlimm, was Herrn Professor Backhaus, Frau Dr. Reimann (Wir brauchen mehr genmanipulierte Pflanzen zur Herstellung von Biokraftstoffen!) und vor allem Herrn Schmid von BASF (‘…da fragen Sie mal lieber bei Monsanto…’) gefreut haben mag. Wie auch einige karrierebewußte aber ausdrücklich unbestochene (betonte die Sprecherin der Fachgruppe Biotechnologie) anwesende  Studenten.

Nächsten Donnerstag gehts weiter mit Gentechnik (TU-Altgebäude im Raum SN 19.2.)

ASSE II – Hinschs ‘unter die Erde’ (BZ vom 2.11.2009)

November 6, 2009

Was lernen wir von Herrn Hinsch, der behauptet, dass der ASSE – Skandal keiner sei und in Frankreich aller atomarer Abfall nur 20 Meter unter die Erde kommt und das wars.

Letzteres ist einfach falsch, was zeigen mag, wie sich atomare Asse-Strahlung auf die Funktionsweise eines Physikergehirns auswirkt.

Unter solchen Umständen wäre es unwahrscheinlich, dass jemand wie Herr Hinsch auch nur über die nächste Minute in die Zukunft blickt oder gar das Wohl all jener zu denken vermag, die er durch seine Haltung (aber berücksichtigen sie butte immer auch seinen organischen Zustand, bevor Sie ihn verurteilen) gefährdet. Wahrscheinlich tatsächlich, wenn auch zur Zeit nur potentiell.

Aber was ist mit Herrn Ahlers los, dem ansonsten kritischen Chronisten? Ist ihm die Asse-Feder zu schwer geworden? Hat sie ihm die Atomlobby ein wenig aus der Hand geschlagen? So wie die Jägerlobby in Sachen Nationalpark Harz?

Braunschweiger Zeitung: Bildung ist viel mehr als Schule

Oktober 30, 2009

Aber was? Was braucht ein Kind für seine Bildung? Hier kommen die kompetenten Redakteure der Braunschweiger Zeitung ins Spiel.  Könnte es zum Beispiel sein, werden die Leser gefragt, dass ein Haustier für mehr Bildung sorgen kann?

Aber natürlich! Zum Beispiel ein Papagei. Er wird darüber hinaus sehr alt und kann sogar Enkeln der jetzt zu bildenden Kinder noch allerlei beibringen. Etwa wie man spricht. Wer weiß denn schon genau, wie man ‘Laura’ ausspricht? Oder ‘Du bist blöd’. Dies alles können Kinder natürlich auch von Ihren Eltern lernen, aber die haben oft nicht genügend Geduld und Ausdauer, weil sie auf ihre Herdprämie aufpassen müssen oder dafür sorgen, dass genügend Bildungsgutscheine im Haus sind.

Schon am Beispiel ‘Haustiere’ wird deutlich, dass die Braunschweiger Zeitung verstanden hat, worauf es ankommt bei der Bildung. Nicht mehr Lehrer, kleinere Klassen, unkaputte und sogar Ganztagsschulen sondern Haustiere könnten das Problem lösen und zumindest dafür sorgen, dass der Nachwuchs einen elaborierten Sprachcode beherrscht – die Eintrittskarte für ein gebildetes Leben.

Die Lösung des Arbeitslosenproblems

September 27, 2009

Nach einem Gespräch mit Carsten Müller, dem wiedergewählten Bundestagsabgeordneten, wurde folgendes klar: Der Ausbau des Flughafens bringe Arbeitsplätze. Ausbau des Flughafens heißt: Forschungsinstititut für Fahrzeugtechnik in Zusammanarbeit mit der TU Braunschweig, Ausbau des Avionikclusters (Flugelektronik) mit vermehrter Flugsimulation am Komputer etc. Dafür stehen über 60 Millionen Euro bereit und es werden folglich wohl Arbeitsplätze entstehen. Das ist bekannt, kann aber nur klappen, so die Meinung von Karsten Müller, wenn zu gleich pro künftigen Arbeitsplatz Natur und auch nach seiner Meinung wertvoller Wald  zubetoniert wird.

Zwar könnte man meinen, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Aber der Glaube hat schon vielen geholfen, die Sünde der Naturvernichtung zu begehen und trotzdem ein reines Gewissen zu haben, es alles richtig zu machen. Die hellsten en Köpfe unter den wirtschaftlich bewanderten CDU – Politikern haben nun ihre logischen Schlüsse schon gezogen: Auf Millioneninvestitionen in Arbeitsplätze kann man eigentlich verzichten, so die Wirtschaftexperten der CDU - warum nicht einfach nur den Wald abhacken (er muß allerdings besonders wertvoll und als lange bestehendes Ökosystem unersetzbar sein!) und zubetonieren und pro Quadratmeter entsteht irgendwie ein Arbeitsplatz.  Das beweist doch Waggum! Die Braunschweiger Wirtschaftexperten sagen es doch, dann muß es doch stimmen!

Und es gibt noch viel Wald in Deutschland. Und viele Arbeitslose. Aber nicht mehr lange. Es ist davon auszugehen, dass sich diese Experten im künftigen Regierungshandeln durchsetzen werden. Hartz IV – Empfänger, Arbeitslose: Kauft Betonaktien so lange ihr noch arbeitslos seid. Oder mindestens einen Volkswagen, denn der VW AG habt ihr euer Glück mitzuverdanken.

Alter Wald – die Vernichtung des natürlichen Erbes

September 25, 2009

…..damit ein paar Manager von VW, die nicht in der Lage sind, ihre Zeit vernünftig einzuteilen, nicht nach Hannover müssen – obwohl sie das schon jetzt nicht tun, wenn sie nach irgendwo in Europa fliegen wollen. Nur nach Übersee gehts über Hannover und diese Herren, die bekanntlich erkleckliche Summen verdienen, sind für diesen seltenen Fall zu unfähig, sich darauf einzurichten? Diesen Eindruck versuchte jedenfalls der VW-Vertreter vor dem Oberverwaltungsgericht in Lüneburg zu erwecken, als es um die ‘Notwendigkeit’ der Startbahnverlängerung ging.

Auch die Journalisten von der Braunschweiger Zeitung – und damit die gesamte Öffentlichkeit – sollen für dumm verkauft werden, wenn man ihnen vorrechnet, dass für die zerstörten 23 Hektar Alten Waldes 92 andere Hektar mit Minibäumchen bepflanzt werden. Diese könnten bestenfalls 1 bis 2 Prozent der Klimaleistung erbringen, die der von Volkswagen und den Braunschweiger Ratsleuten von FDP, CDU und SPD abzuhackende Wald erbringt. Dazu kommt, dass Alter Wald das einzige einigermaßen intakte Ökosystem Mitteleuropas darstellt, samt Bodenbewachsung, Humus, Bakterien und Pilzen in milliardenfacher Ausprägung. Zu behaupten, dies könne man ausgleichen, ist eine brutale Verdummung, die auf einer fundamentalen Unkenntnis biologischer Prozesse beruht.

Wo bleiben all die klugen Wissenschaftler unserer Bundesinstitute, die auf diesen Teil des von Manlik unf Co. (auf der Basis von Ignoranz kann er prima ‘gelassen’ bleiben) herbeigeführten Wald – Gaus aufmerksam machen?

Wo bitte bleibt der Protest all der hochkarätigen, oft ethisch doch so  hochwertigen Mitglieder und Vorstände und Aufsichtsräte der Stiftung Braunschweiger Kulturbesitz, der ein Teil des Waggumer Waldes gehört?

Wer bricht die Ignoranz und Unkenntnis der Verantwortlichen von VW? Wenn die schon nicht erkennen, dass Naturvernichtung unter Zustimmung des VW-Konzerns dem VW-Absatz mit Sicherheit schadet, Arbeitsplätze gefährdet etc., wer weckt sie dann aus der technokratischen Ignoranz, die zwar Luftwiderstandsbeiwerte zu verbessern vermag, aber nichts über den Wert des Lebendigen weiß?

‘Braunschweig’ hat schon viel getan, um sich zum Deppen der Nation zu machen durch Parkvernichtung, Schloßgefasel, Privatisierung, Müllberg in der Stadt, Schweigen zum Asse II – Skandal, Rathausabriß, Mißachtung von politikinteressierten Schülern etc. Jetzt ist der Ruf der Wissenschaftler dran, die sich zum beabsichtigten Umweltskandal ausschweigen bzw. nicht gehört werden, jetzt werden aktiv Arbeitsplätze bei VW vernichtet – denn nie im Leben wird sich jemand noch einen ‘grünen’ VW kaufen, wenn diese Firma doch absolut nichts tut, um vor der eigenen Haustür ein wenig Natur zu erhalten. Da ist nichts unmöglich.

Peinlich – soviel Unfähigkeit in der Region Braunschweig. Und bitteschön – Herr Hoffmann, der Oberbürgermeister mag auch diesen Skandal angeleiert haben und er und sein Manlik mögen sich über das Urteil in Lüneburg gefreut haben (na dann dürfen wir doch!) , aber dass es zu dieser üblen Naturvernichtung kommt, verdanken wir der gesamten Rats-CDU, der hiesigen FDP, auch der gesamten Rats-SPD, aber auch einigen der ansonsten so kompetenten Wissenschaftler der hiesigen Bundesinstitute, die sich ebenso durch Schweigen hervortun wie die Herren Winterkorn und Piech. Da sollte doch der Harvester dreinfahren.

Die Deutsche Telekom

September 3, 2009

Jetzt genau seit drei vollen Tagen ist sie nicht in der Lage einen zentralen  Netzfehler fürs Internet zu beheben.

Will man mit aller Macht den Technik – Inkompetenz – Preis gewinnen? Die deutsche Telekom ist auf dem richtigen Weg. Man sieht, es geht auch ohne Doping.

Nachtrag:

Nun, am 4.Tag, morgens, geht das Internet immer noch nicht. Dann ruft bei unterdückter Nummer jemand von der Telekom an, ob sich meine Beschwerde von vor 2 (!) Tagen erledigt habe, hat sie nicht, auch nicht die von vor 4 Tagen. Dann ruft ein Mann an, eventuell müsse man jemand vorbeischicken, denn ein bestehender Schaden sei längst behoben, trotzdem schönes Wochenende. Irgendwie klingt der Mann vertrauenswürdig. Also neuer Versuch, PC an, Internet anschalten – und es geht.

Was überhaupt nicht geht ist die Service-Wüste bei Telekom.

Anti-Atomtreck und geschichtsphilosophische Erkenntnisse

August 30, 2009

Schweinekapitalisten, 30.8.2009

Mit dem Anti-Atomtreck wurde heute in Braunschweig protestiert (s.unser-braunschweig.de, bibs-forum), gegen den Irrsinn der ‘friedlichen’ atomaren Nutzung, gegen Täuschung und Verharmlosung über die Folgen durch Politik und Wissenschaft (u.a. Helmholtz-Institut), gegen die Lügen von der Sicherheit dieser Technik, konkret gegen das vollzogene Umweltverbrechen in Asse II und Morsleben, die geplanten Untaten in Gorleben und anderswo, gegen die skrupellose Selbst-Bereicherung der Energiekonzerne auf Kosten der Allgemeinheit und – das sollte man nie vergessen – gegen die Verseuchung des Tiefengrundwassers, das hier zwar im Augenblick niemand unbedingt braucht – in Afrika lebt aber u.a. der gesamte nördliche Kontinent davon.

Selbstverständlich, ganz in der Tradition seines bisherigen Wirkens, tut auch Umweltminister Gabriel nichts gegen die bevorstehende Umweltverseuchung durch die Asse II, sondern schwatzt darüber, wer wohl Schuld an dem Umweltverbrechen war anstatt die  Herausholung und zumindest sicherere Unterbringung des tötlichsten aller Gifte, Plutonium, und all der anderen Gifte einzuleiten. Weil ausreichend viele Wähler in diesem Vertuschungprocedere hohe politische Kunst erkennen werden, dürfte Gabriel wieder viele Stimmen bekommen und in den nächsten Bundestag einrücken.

Konnte der Anti-Atomtreck darüber hinaus Erkenntnisse vermitteln, etwa geschichtsphilosophische? Doch, das konnte er. Abgesehen davon, dass ECE, wirre Eigenbezeichnung ‘Schlossarkaden’ , für kurze Zeit unerwartet eine sehr nützliche Aufgabe übernommen hatte, nämlich seine Fassade zum Aufhängen eines großen Robin-Wood-Tranparents zur Verfügung zu stellen, auf dem die Ziele des Anti-Atomtrecks für alle sichtbar wurden, zogen die Veranstalter darüber hinaus eine augenfällige Verbindung zwischen Schweinekapitalismus, dargestellt durch Schweine in Nadelstreifen, die durch Strahlenmüll stiefelten und Pferdefeudalismus her, der durch Herrn Boreks Wirken in Form eines Fürstenaufroßdenkmals im Hintergrund Realisierung gefunden hatte. Während Schweinekapitalismus sich bekanntlich über Gebühren finanziert und durch skrupellose Politiker ermöglicht wird, die den Privatisierungsprofiteuren diese Form der Ausbeutung etwa durch Überlassung öffentlichen, bürgerlichen  Eigentums oder durch Ausverkauf des Rechts auf gesunde Umwelt ermöglichen, war es im Feudalismus anders. Feudalisten, wie der Reiter im Hintergrund (..aber auch schon Otto IV, wie die Ausstellung durch beredtes Schweigen zeigt….),  konnten völlig ohne skrupellose Politiker jeden ausbeuten, den sie wollten, denn sie hatten ihr Mandat dafür direkt vom Lieben Gott. Deshalb lebte der allergrößte Teil der Bevölkerung in elenden Hinterhöfen, wie wir sie heute nur noch aus dem auslandsjournal kennen. Weil gerade in Braunschweig die Refeudalisierungs- und Ausverkaufsmentalität – besonders durch OB Hoffmann und die Ratsmitglieder von CDU und FDP – täglich neu ihren Ausdruck finden (..reißt den Bürgern ihr Rathaus ab!…verkauft alle Schulen an Private….), gewinnen wir gerade durch den Anti-Atomtreck die  geschichtsphilosophische Erkenntnis: Es hat sich nichts verändert, außer dass früher die Polizei sich nicht so professionell zurückgehalten hätte. Besonders zu danken braucht man ihr aber nicht, denn die zahlreich anwesenden Beamten wissen: Auch ich und meine Familie und meine Kindeskinder sind durch die so plastisch dargestellten Schweinekapitalisten in Fürstentradition bedroht.

Übrigens: Jetzt gleich, am Montag kurz nach 11, soll sogar  Bundespräsident Köhler  an den Trog bzw. hinters Licht bzw. hinter die Fassade geführt werden. Ob er mitgeht? Sein Büro weiß Bescheid.

 

 

Stadtverwaltung Braunschweig plant großen F-I-Test

August 16, 2009

Die Einführung des F-I-Tests für alle städtischen Angestellten, aber auch die Mitglieder des Rates der Stadt Braunschweig und alle, die in irgendeiner Weise von den Geldern der Kommune abhängig sind oder glauben, es zu sein – zu denken ist wohl auch an externe Beratungsfirmen wie KPMG – ist für die kommende Woche unter Leitung von Oberbürgermeister Hoffmann vorgesehen. Im ersten Durchlauf nehmen allerdings nur wenige Personen teil, wie man hört einige Architekten, die sich von der Stadt Aufträge erhoffen, der auch in diesem Fall unvermeidliche Professor Ackers, ein Stadtbaurat und möglicherweise eine unbekannte aber kleine Zahl weiterer infrage kommender Personen.

Auch wenn es etwas unfair ist und ergebnisverfälschend sein kann,  sei hier darauf hingewiesen, dass nur diejenigen Personen mit einem positiven Schlußergebnis rechnen können, die es verstehen, dem OB bedingungslos nach dem Munde zu reden (ein Hinweis, dessen es für erfolgsorientierte Mitarbeiter des OB allerdings ohnehin nicht bedarf). Inhaltlich – so ist durchgesickert, ist es absolut erforderlich, trotz aller gegenläufigen Tendenzen, weiterhin jeder Form von Privatisierung und Beraubung der Bürger ihres Eigentums zuzustimmen und im besonderen dem Abriß des Rathauses der Stadt – so idiotisch er aus ökonomischen, ökologischen oder finanziellen Gründen auch sein mag -  nicht nur zu befürworten, sondern mit Begeisterung zu verlangen.

Eine Hürde trennt die Kandidaten von einer Spitzenbewertung: Wie soll Braunschweig bzw. die Stadtverwaltung das bundesweite Gelächter über den Rathausabriß-Schildbürgerstreich den eigenen Bürgern so verkaufen, dass sie ihn, ähnlich wie schon Herr Sehrt (CDU), mit Begeisterung aufnehmen?

Erforderlich wurde der Test, weil andernfalls bestimmte Kameraden unseres OB, deren Vorfahren in der Lage waren, ganze Großstädte flächendeckend in Schutt und Asche zu legen oder legen zu lassen, den OB nach seiner Amtsniederlegung erst dann wieder als vollwertiges Mitglied akzeptieren können, wenn es ihm zumindest gelingt, dies bei einem wichtigen Symbol der Braunschweiger Bürgerschaft zu bewerkstelligen. 

Rätselraten herrscht allerdings noch darüber, wofür die Buchstaben F und I stehen. Sollte es die Abkürzung für Forschung und Intelligenz sein oder – wie einige (vermutlich Abwegige)- meinen – für Faschismus und Idiotie? Nun, warten wir den Bericht der Braunschweiger Zeitung ab, unserem Heimatblättchen. Lesen Sie aber auch zwischen den Zeilen und denken daran, dass Vieles weggelassen wird, besonders, wenn Meyer schreibt. Ja, der, der andere A… nennt und sich nicht dafür entschuldigt.

Friedlich am Bohlweg – Braunschweig kann auch anders

August 9, 2009

Stramm stehen Hampelmannen in der Uniform des Fürsten, der die amerikanische Unabhängigkeitsbewegung durch Soldaten aus Braunschweiger Land – sie sollten dabei helfen,  den Freiheitswillen amerikanischer Bürger platt zu schießen-  als lächerliche Attrappen ihrer selbst vor einer feudalen Schloßattrappe. Ebenfalls stramm stehen einige Schützenbrüder und  -schwestern, die zutiefst bürgerliche Tradition der  der früheren stolz bewaffneten Bürgergilden mißachtend, ebenfalls als trauriges Mahnmal einer selbstvergessenen Bürgerlichkeit bei einem ihrer Feste vor ebendieser feudalen Fassade und lassen sich von Musik berieseln, die millionenfach so manchen höchstpersönlichen Zapfenstreich im Totschlaggewirr von Kriegen eingeleitet hat. Refeudalisierung pur einer Braunschweiger Gesellschaft zu ihrer Verdummung, damit sie nicht merkt, wie sie unter dem derzeitigen Stadtregime ihres bürgerlichen Eigentums beraubt wird , sondern sich – obwohl 99,99% ihrer Vorfahren in der feudalistischen Hierarchie der letzte Dreck gewesen wäre – mit dem von ihr geklauten Glanz einer imperialen Oberschicht meint umgeben zu können.   Neben die tatsächliche Ausräuberung im Materiellen soll also auf stadthierarchisch höchsten Wunsch die geistige treten.

Aber das klappt nicht immer, nicht gestern. Zeitgleich mit der Inauguration Ottos IV (wegen seiner Bedeutungslosigkeit auch ‘Der Läppische’ genannt) als Hauptfigur einer Veranstaltung der Stadt (im Dom) zur Aufwertung feudalen Bewußtseins, mit geladenen Gästen, sogar aus Pyrmont (Münchhausen lebte ganz in der Nähe!), fanden sich auf dem Platz vor dem Kaufhaus mit der Schloßfassade auf dessen kaugummiverschmierten Platten - meist – junge Menschen zusammen, um auf ausgebreiteten Decken ein wenig zu plaudern, ein wenig an mitgebrachten Speisen zu knabbern und sich ein wenig über das städtische Verbot all dessen lustig zu machen. Dazu ein wenig Gehopse, wie man es sonst nur in manchen Diskotheken sieht, einige Fahnen der Piratenpartei und auch Geistiges, kein Alkoholgegröle, wie in der Fußballkneipe auf der anderen Seite des Bohlwegs, sondern musikalisches Geräusch und politische Information.

Denn zugleich gab es auch die neue Zeitung der Braunschweiger Bürgerinitiativen, besser, vielfältiger noch als ihre erste Ausgabe, mit einem Baum vorne drauf und den zu erwartenden Inhalten. Und der Baum erinnerte nicht nur an den von CDU und FDP und dem Oberbürgermeister abgehackten und mit einem Kaufhaus zugekleisterten Schloßpark, sondern vor allem an die nächste geplante Untat der Stadtverwaltung (eigentlich die Diener der Bürger!), nämlich die Beseitigung des Waldes bei Waggum zur Stillung   der Großmannssucht einiger lokaler Verantwortlicher. Aber, da sind wir sicher,  ist die mitverantwortliche VW  AG vor, mit Piech und Winterkorn an der Spitze. Sonst kauft keiner mehr einen VW – Abwrackprämie oder  ökologische Grundsätze des Konzerns, wenn sie denn nur Ökogefasel wären, hin oder her.

Afghanistan und Südamerika

Juni 18, 2009

Am Dienstag der Vortrag von Orhan Sat – organisiert vom Friedenszentrum Braunschweig e.V und vom Braunschweiger Friedensbündnis gleichermaßen – über den Versuch, dem Krieg unmittelbar nach seinen Zerstörugen durch integrierten Einsatz von NGOs und Hilfsorganisationen ein wenig von seinem Schrecken zu nehmen. Das werde  jedoch weder dazu führen, dass die Clanstrukturen sich ändern, noch verhindern, dass die Radikalislamisierung, die den verschiedenen Einwirkungen von außen zu verdanken sei, jetzt durch die Taliban vollendet werde. Idealer Weise würden sich Clanchefs und Taliban zusammensetzen und in einer Art Parlament alles zum besseren wenden – woran aber niemand glaubt, auch Herr Sat nicht. Das Elend geht weiter. Die Schließung aller Mädchenschulen in deutsch-Afghanistan ist nur ein Menetekel. Weniger schlimm (kaum für die Mädchen) allerdings werde es sein, wenn alle fremden Truppen abgezogen würden.

Über Südamerika – wenn nicht noch kundiger – trug Heinz Dieterich am Mittwoch im Gewerkschaftshaus vor. Die unglaublichen Unterschiede zwischem Ärmst und Reichst seien durch den Einsatz verbesserter Datentechnik und die Erfassung tatsächlicher  Bedürfnisse aller jetzt besser ausgleichbar, was die gescheiterte Planwirtschaft aufgrund des Fehlens von PCs nicht hätte schaffen können. Ansonsten aber sei es so, dass am Amazonas Urwald abgehackt werde, damit Zuckerrohr für Biogas angebaut werden könne, Weltklima hin oder her.  Was die politische Entwicklung angehe, so seien die Chavez und Lulas auf dem Rückzug, denn die Wahlprognosen vieler Länder Südamerikas ließen einen erheblichen Rechtsruck erwarten – vermutlich deshalb, weil die verzweifelt Armen zu viel Hoffnung in linke Versprechungen gesetzt haben. Ansonsten gibt es viel Mord und Totschlag, Krieg, etwa in Kolumbien, wo die Militärs ihr Drogengeld in Palmölplantagen anlegen und dafür Pacifik-Urwälder und ihre Bewohner vernichten. Und auch sonst gehe die Selbst-Bereicherung der Mächtigen munter weiter. Was auch ohne rechte Verschwörung funktioniere, nur durch Habgier, Skrupellosigkeit und kriminelles Denken motiviert. Aber in Mexico-City zu leben sei trotzdem angenehmer, weil sich das Risiko eines Überfalls auf so viele Menschen verteile und die netter seien als Menschen in Europa.

Man kann nur jedem raten, selbst in solche Vorträge zu gehen, damit man nicht auf solch einseitige Zusammenfassungen wie diese angewiesen ist.