Die Fachgruppe Biotechnologie hatte gestern in der TU zu einem Diskussionsabend eingeladen (ausgeladen war die Bürgerinitiative Braunschweig, klar, Herr Noske moderierte). Außer Frau Ober vom Nabu und dem unabhängig arbeitenden Herrn Dr. Then, waren nur Gentechnikbefürworter auf dem Podium. Frau Reimann zeigte sich kritisch: Kennzeichnungspflicht ja, aber nur weil die Leute das wollen. BASF-Schmid: alles überhaupt nicht schlimm, er lebe noch, obwohl er 65 Kilo Gensoja jährlich verzehre und Professor Backhaus, der Hauptamtliche Gentechniker, hatte für den Zusammenhang Genpflanzen, Herbizidmittelresistenz, Bodenfauna- und -floraverseuchung, Bodiversitätsminderung (beklagt von Frau Ober) nur ein gewohnheitsmäßiges Dauergrinsen übrig, was zumindest einen guten Zahnarzt erkennen ließ. Hoffnungsfroh und zugleich skeptisch zeigte sich Herr Then, weil es schon mehr als genug weiterentwickelte Nahrungspflanzen gebe, die künftigen Herausforderungen genügen, die aus herkömmlicher Züchtung stammen und weil laut Koalitionsvertrag – Überraschung! – die Patentierung von genmanipuliertem Saatgut verhindert werden soll, während BASF-Schmid beim Stichwort Patentierung des Lebendigen zu längerer Höchstform auflief, weil es die doch schon gebe. Na ja, und schließlich sei ja nochmals bisher noch keiner wegen Genmanipulation tot umgefallen und dass sich irgendwelche indischen Kleinbauern wegen Abhängigkeit von Gensaat und Einsatz von dafür nötigen Giften (von derselben Firma) und der weggezüchteten Fruchtbarkeit zurückbehaltenen Saatguts und der sich daraus ergebenden Verschuldung schon mal umgebracht hätten – das sei nicht wahr, hätte er selbst gelesen.
Und so war es kein Wunder, dass die angestrebte Weltherrschaft durch Nahrungsmittelmomonolisierung gar nicht so recht zur Sprache kam, auch der Verlust von Eigentumsrechten an an sich nicht genmanipulierten Pflanzen durch Pollenflug wurde kaum behandelt. Die schließlich gezogene Bilanz: Alles gar nicht so schlimm, was Herrn Professor Backhaus, Frau Dr. Reimann (Wir brauchen mehr genmanipulierte Pflanzen zur Herstellung von Biokraftstoffen!) und vor allem Herrn Schmid von BASF (‘…da fragen Sie mal lieber bei Monsanto…’) gefreut haben mag. Wie auch einige karrierebewußte aber ausdrücklich unbestochene (betonte die Sprecherin der Fachgruppe Biotechnologie) anwesende Studenten.
Nächsten Donnerstag gehts weiter mit Gentechnik (TU-Altgebäude im Raum SN 19.2.)
